Archiv der Kategorie: Photographie

Basteln und Tüfteln geht auch zu Hause: Stereo-Lochkamera

Fotografieren ist zur Zeit Einschränkungen unterworfen, und gute Fotograf.innen machen daraus eigenständige, kreative Projekte, wie zum Beispiel https://stayathome.photography, ein  inspirierendes und faszinierendes Dialogprojekt, bei dem immer zwei Fotograf.innen aus zum Teil sehr unterschiedlichen Teilen der Welt in einen Bilderdialog treten. Und Analogfotograf.innen treffen sich „im Labor“, respektive auf Instagram unter dem Hashtag #idevelopathome.

Was natürlich ebenfalls immer noch möglich ist, wenn man zu Hause bleiben muss, ist Basteln und Tüfteln. Schon vor  längerer Zeit habe ich mir vorgenommen, eine Stereo-Lochkamera zu basteln – und heute ist sie endlich fertig und erfolgreich getestet worden.

 

Innenleben mit Bildtrenner

Das erste Bild ist ein #stayathome-Bild, unser Garten.
Belichtungszeit bei Mittagssonne: 30 Sekunden; Positiv 4-5 Sekunden.

Das Papierpositiv muss dann noch zugeschnitten werden für den über 100 Jahre alten Stereobetrachter, auf das Format 7 x 13 cm – und die beiden Bilder müssen noch den Platz wechseln!

 

 

In 101’000 Schritten durch Wien

Harald Nägeli, der „Sprayer von Zürich“, hat an die Wand der Düsseldorfer Kunsthochschule einen Flamingo gesprayt. Das hat ihm ein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingebracht, das Anfang Monat nun gegen eine Geldauflage eingestellt worden ist. Nägeli findet, dies sei keine Sachbeschädigung und die Geldstrafe „eine Peinlichkeit“.

Obenstehender Flamingo verziert eine Hauswand in Wien (3. Bezirk). Ist dieser Flamingo auch Kunst – oder ist er eine Sachbeschädigung? Wann ist ein Graffiti Kunst? Wenn es Kunst ist, gelten dann Vorschriften nicht mehr? Und wer soll so etwas entscheiden dürfen?

Viereinhalb Tage waren wir in Wien und haben in 101’000 Schritten die Stadt er-flaniert. Flanieren ist eine sehr angemessene Fortbewegungsart durch eine Stadt, die man entdecken möchte. Sie ist langsam genug, um in alle Richtungen blicken und viele Details wahrnehmen zu können. Man kann jederzeit unkompliziert anhalten, um sich etwas noch genauer ansehen zu können. Durch die ständige Bewegung ist man dafür auch aufmerksam genug.

Die Wissenschaft vom Flanieren heisst übrigens Promenadologie oder, noch viel schöner auf Englisch: Strollology. Und das ist keine sehr ernste Sache, aber sehr ernst gemeint.

Auf meinen Flanierereien durch Städte fotografiere ich meistens. Aus Wien habe ich eine Graffiti-Foto-Sammlung (Link auf Flickr) mitgebracht, ein paar Beispiele:

Ich bin zu schüchtern für „street photography“

Ich würde so gern Strassenszenen fotografieren. Das Gewimmel am Bahnhof zum Beispiel. Mein Pendlerleben photographisch verarbeiten. Aber ich bin viel zu schüchtern, um meine Kamera einfach so auf wildfremde Menschen zu richten. Und nochmal mehr zu schüchtern, um gar vorher zu fragen.

„street photography“ ist eine rechtliche Grauzone. Einzelpersonen in den Mittelpunkt stellen darf man ungefragt nicht, das verletzt das Recht am eigenen Bild. Aber ab wann ist eine Person nicht mehr im Mittelpunkt? Wann gilt die Aufmerksamkeit der Betrachtenden eines Bildes nicht mehr einer Einzelperson?

Beim samstäglichen Photospaziergang durch die Stadt habe ich festgestellt, dass es mir etwas leichter fällt, mit der analogen Kamera so zu fotografieren, dass auch Menschen drauf sind. Die altmodische Kamera signalisiert: Das Bild, das hier entsteht, landet nicht sofort im Internet. Ich muss an meiner alten Practica ziemlich lange herumhantieren, bis Beleuchtung und  Schärfe richtig eingestellt sind; so lange, dass sich niemand mehr gemeint fühlt, bis ich so weit bin.

Dennoch – auch mit der Practica kostet mich schon so etwas ziemlich Überwindung:

Samstag Nachmittag im 13er in Zürich

Gebäude sind für schüchterne Menschen einfacher zu photographieren. Auch wenn man ziemlich auffällt, wenn man minutenlang auf der Insel in der Mitte eines Fussgängerstreifens steht. Ich falle nicht so gern auf.

Auch das ist Samstag Nachmittag in der Stadt.

Ungefähr so fühle ich mich dann:

Dem nackten Jüngling im Klingenpark ist auch nicht ganz wohl in seiner Haut.

(alle Bilder aufgenommen am 3.2.18, Kamera: Practica LTL 3 / Film: HP5 400 ASA)

Pinhole Day 2017

Seit 17 Jahren ist der letzte Sonntag im April „Internationaler Lochkamera-Tag„. So haben wir gestern also wieder einmal die Lochkameras geladen, noch rasch zwei neu gebastelt und sind losgezogen, bei sonnigem, also idealen Wetter. Die Belichtungszeiten sind so schon lang genug…

Ich hatte mir überlegt, dass wir einen Ort brauchen, der viel grafische Strukturen und hohe Kontraste zu bieten hat. Und ich wollte nicht die ewig-gleichen Eisenbahnschienen-Fotos oder Bilder von Denkmälern, häufige Sujets der Lochkamera-Fotografie. So spazierten wir auf das Gelände eines Altmetallhändlers und stellten die Kameras auf. Es hat funktioniert:

lochkamera in position

Lochkamera in Position

ergebnis

Das Ergebnis (Belichtungszeit: 20 Sekunden)

Die am Vorabend noch rasch zusammengebastelten Schachtelkameras mit verschiedenen Brennweiten richteten wir auf dasselbe Sujet, um den Unterschied sichtbar zu machen.

schrotthaufen

Grössere Brennweite – fast schon ein Teleobjektiv, resp. Teleloch

schrotthaufen

Kürzere Brennweite, eher Weitwinkel