Archiv der Kategorie: Photographie

Lumenprint-Tagebuch: Haare färben

Ich war etwa 15 Jahre alt, als ich angefangen habe, meine Haare zu färben, das war so Anfang/Mitte der 80er-Jahre. Ich habe die elterliche Badewanne mit Henna orange eingefärbt, auf dem Kopfkissenanzug Spuren von bunter Lebensmittelfarbe hinterlassen, mir blaue Strähnen färben lassen, auch blauschwarz habe ich ausprobiert. Als meine Haare dann mit etwa vierzig langsam aber sicher deutlich grau wurden, habe ich mit Färben aufgehört. Ich wollte nicht zu denen gehören, die nicht zu ihrem Alter stehen.

Vor etwa zwei Jahren aber habe ich wieder angefangen zu färben – denn inzwischen gibt es graue Haarfarbe! Das fand und finde ich irgendwie witzig und leicht absurd: Graue Haare grau färben.

Heute war es wieder mal soweit, und ich habe ein Bild davon gemacht: Hier ist ein Kontaktdruck/Chemigramm/Lumenprint: Auf meinen mit Farbe eingeschmierten Schopf habe ich ein Fotopapier gedrückt, das ich dann zwei Stunden ans Licht gelegt habe. Die Sonne, die Haarfarbe und das Wasser in der Haarfarbe haben anschliessend mit dem Fotopapier reagiert. Das Licht mit dem Silber, die Haarfarbe wohl eher mit der Gelatineschicht.

Abdruck von meinen Haaren auf ziemlich altem Forte Bromofort BN RC Papier

Fotopapiere datieren und testen (für Lumenprint) dating and testing papers for lumen prints

Ich habe einen grossen Stapel altes Fotopapier, das ich dieses Jahr für Lumenprints verwenden möchte. Heute testete ich diese beiden:

I have a big pile of old photo paper that I intend to use for Lumenprints this year.
Today I tested these two:

Wie alt sind diese Papiere? How old are they?

Mich interessiert jeweils auch, wie alt meine Papiere ungefähr/möglichst genau sind, das ist jedoch gar nicht so einfach, weil auf den Packungen das Herstellungsjahr nie angegeben ist.

Für eines meiner Papiere habe ich es jetzt, glaube ich, so ungefähr geschafft – für das grössere, untere. Auf der Verpackung steht als Hersteller Lumière SA Lyon, Groupe CIBA-GEIGY. Ilford gehörte CIBA-GEIGY von 1969 bis 1989. Das Logo mit der Sonne wurde bis um 1970 herum verwendet. Also muss mein Papier eigentlich so ca. um 1969/70 produziert worden sein.

Für das zweite Papier ist die Eingrenzung einiges schwieriger. Ich habe nur dies: Das Ilford-Logo weist auf nach 1970, und es hat einen Preisaufkleber von Interdiscount drauf, mit einem Logo, das es seit 1973 gibt. Mehr Hinweise habe ich noch nicht gefunden.

I’m always interested in how old my papers are approximately/precisely, but that’s not so easy because the year of manufacture is never stated on the packaging.

For one of my papers, I think I’ve now got it about right – for the larger, lower one. The manufacturer on the packaging is Lumière SA Lyon, Groupe CIBA-GEIGY. Ilford belonged to CIBA-GEIGY from 1969 to 1989 and the logo with the sun was used until around 1970. So my paper must have been produced around 1969/70.


For the second paper, narrowing it down is a bit more difficult. I only have this: The Ilford logo points to after 1970, and it has an Interdiscount price sticker on it, with a logo that has been around since 1973. I haven’t found any more clues yet.

Welche Farbe entwickeln die Papiere? What colour will the papers develop?

Ich möchte wissen, wie die Papiere auf Belichtung reagieren. Es geht mir noch nicht darum, eine korrekte Belichtungszeit abzuschätzen, sondern lediglich, welche Farben das Papier zeigt, wenn es mit trockenen und feuchten und verschiedenen phenolhaltigen „Auflagen“ an die Sonne gelegt wird. Daher habe ich mit für „Raclette“ entschieden: Cornichons (in Essig eingelegt), Kartoffelschalen (Rüstabfall), Käse (fermentiert), Schäler (Aluminium).
Ab damit, für drei Stunden auf die Dachfensterbank:

I wonder how the papers react to sun exposure. I am not yet interested in estimating a correct exposure time, but only in what colours the papers show when it is exposed to the sunrays with dry and moist pieces on it, containing various or no phenols. So I decided on ‘raclette’: Cornichons (pickled), potato peelings (vegetable waste), cheese (fermented), peeler (aluminium).
Off they go, onto the roof window sill for three hours:

Und hier die fertigen Bilder; einmal unfixiert (links) einmal fixiert:

The finished prints, before (left) and after fixing:

Fazit

Die Phenole erhöhen die Farbvarianz, das hatte ich so erwartet. Die feuchten Teile verwischen an den Rändern, auch das hatte ich erwartet: Vor allem die Essiggurken waren so feucht, dass sie noch Flüssigkeit abgegeben hatten.

Die Kombination der scharfen Zeichnung des Aluminumschälers mit den weicheren Abdrücken der verschiedenen pflanzlichen Materialien ist interessant – da werde ich bestimmt weiter daran herumdenken und -probieren.

Insgesamt ist das Bild jedoch eher flau: Die Edelweiss auf ca. 90 Jahre altem Kodak Velox letztes Jahr waren jedenfalls sehr viel spektakulärer. Ich werde also noch weitere Papiere testen, bevor ich mich entscheide, ob ich diese hier für mein diesjähriges Lumenprint-Projekt verwenden möchte.

The phenols increase the colour variance significantly, as expected. The moist parts blur at the edges, which was alsp expected: the pickles in particular were so moist that they were still releasing liquid.

The combination of the sharp imprints of the aluminium peeler with the softer imprints of the various vegetable materials is interesting – I will certainly continue to think about this and do some more experiments.

Overall, however, the image is rather dull: the Edelweiss print on 90-year-old Kodak Velox last year were much more spectacular. So I’m going to test some more papers before I decide whether I want to use these for my Lumenprint project this year.

Papierentwickler aus Abfall, erster Versuch

So habe ich den Entwickler gebraut
  • 7 dl Wasser mit 40 Gramm Kaffeesatz 10 Minuten köcheln, absieben
  • mit 210 Gramm Asche vermischen (das sind ca. 8 dl)
  • 60 Gramm Mandarinen- und Zitronenschalen beigeben, eine Stunde stehen lassen
  • absieben (mehrmals…)
  • PH: 12
  • auf ca. 80 Grad erwärmen
Im Labor
  • Entwickeln bei 30-50 Grad, 3-5 Minuten.
  • Viel bewegen wegen der vielen Feststoffe im Entwickler.
  • Stopp und Fix mit konventioneller Laborchemie. Das Stoppbad kann man aber nachher entsorgen…
  • Vor dem Fixieren mit Wasser gut abspülen (sonst ist der Fixierer verschmutzt).
  • Das beste Resultat gab es mit 3 Minuten und eher viel Wärme.
Fragen, die sich mir im Anschluss stellen

Das Bild ist sehr braun geworden. Das liegt daran, dass der Kaffeesatz ein starker Toner ist. Vielleicht Phenole mit weniger Eigenfarbe verwenden?

Auch ist es eher kontrastarm. Ein Negativ mit starken Kontrasten zu verwenden, ist daher sicher eine gute Idee. Aber vielleicht könnte der Kontrast auch anders erhöht werden – mehr Phenole? (Kompost vielleicht? Oder altes Bier?) Zitrusfrüchte fermentieren?

P.S.: Dasselbe Bild, konventionell entwickelt

P.P.S.: Ich bin nicht die erste, die das versucht. Viel gelernt habe ich sus dem Buch von James Sewell, www.failsafefailed.com/, der seine Erkenntnisse frei zu Verfügung stellt. Danke!

Vier verschiedene Arten, den Talalpsee zu sehen

Ich mag diese Saisonschluss-Stimmung in den Bergen, die letzten Tage, an denen die Bergbeizen noch offen sind, aber es hat nur noch wenig Leute unterwegs. Und am Talalpsee konnte man die Wanderer.innen fast an einer Hand abzählen.

Ich hatte mehrere Kameras dabei, darunter ein Neuzugang: Eine Pentax Spotmatic F mit einem ziemlich guten Objektiv. Ausserdem eine ziemlich kaputte Lomography Holga, eigentlich für Mittelformatfilme gemacht, eine Polaroid-Kamera mit einem neuen fancy Film, die Rollei 35 mit Farbfilm (noch nicht entwickelt) und natürlich, wir schreiben das Jahr 2024, mein Handy.

Der Talalpsee, den Rahmen des Films sprengend
(Kamera: HolgaCNF; Film: Ilford Delta 400)
Der Talalpsee, exerimentell
(Kamera: Polaroid One600; Film: Polaroid Reclaimed Series – Green)
Der Talalpsee von hinten, fast unsichtbar
(Kamera: Pentax Spotmatic F, Film: Ilford Delta 400)
Der Talapsee, fast noch bunter und glänzender als im richtigen Leben
(Kamera: iPhone 13mini, Apple-Originalfarben)