Archiv des Autors: KatiaBlog

Langsam verschwindende Bilder

Anthotypie: Brombeere auf mit Randensaft beschichtetem Papier. Links frisch, rechts nach neun Monaten an der Sonne.

2024 hatte ich eine heftige Anthotypie-Phase. zwischen Frühling und Herbst habe ich etwas 100 Bilder gemacht, mit den unterschiedlichsten Pflanzen und viel gelernt.

2025 war mein Lumenprint-Jahr. Deshalb habe ich nur noch einige wenige Anthotypien gemacht, vor allem Experimente für den Internationalen Tag der Anthotpie, an dem ganz viele Menschen neue Pflanzen ausprobieren, um die grosse Datenbank zu erweitern.

Was ich letztes Jahr auch gemacht habe: Eines der Bilder mit UV-Schutz eingesprüht und an einer Wand ohne direkte Sonne aufgehängt. Neun Monate später ist da Bild noch sichtbar, aber schon stark ausgebleicht.

Die Bilder von 2024 sind alle in einem Album, das in einer Schublade liegt. Auch diese bleichen langsam aus. Das ist halt so bei Anthotypien: Die sind nicht für die Ewigkeit gemacht! Grundsätzlich scheint, wenig überraschend, zu gelten: Je schneller das Bild entsteht, desto schneller verschwindet es auch. Es wäre interessant, die Datenbank auch noch um diese Angabe zu erweitern.

Kartoffelkrautexperimente

Ab und zu mische ich meinen Entwickler selber. Für diesen hier habe ich etwas Geduld gebraucht – ich habe ihn mit Kartoffelkraut angesetzt, und dafür Anfang Jahr extra zwei Kartoffeln gepflanzt. Ich habe keinen grünen Daumen, dass ich es geschafft habe, die Pflänzchen in meinem Wohnzimmer so gross werden zu lassen, heisst schon etwas:

Das Rezept für den Entwickler – noch nicht perfekt:

  • Die kleingeschnittenen Pflanzen mit 7 dl heissem Wasser übergiessen, 24 Stunden ziehen lassen
  • 40 Gramm Soda und 10 Gramm Vitamin C in heissem Wasser auflösen, mit dem Kartoffeltee mischen
  • Gut absieben
  • Den Film 30 Minuten entwickeln

Zwei Fehler sind offensichtlich: Ich habe den Entwickler nicht gut genug abgesiebt, es hat Flecken auf den Negativen, die wohl von den Sodakristallen stammen. Das nächste Mal nehme ich nicht nur ein Sieb, sondern auch noch Filterpapier. Und ich habe den Film vermutlich zu lange entwickelt, denn er wurde ziemlich flau. Zum Bild der Burg Alt-Wädenswil passt das aber eigentlich noch ganz gut!

Mimosen im Darkroom

Phytochemofotogramm auf altem KodabromIII RC (18 cm x 24 cm)

Ich habe selten Schnittpflanzen im Haus, ich finde es irgendwie unelegant, Blumen zu töten, damit sie dann ein paar Tage für mich schön vor sich hinwelken. Anfang März bin ich aber schwach geworden: Mimosen riechen halt so gut…

Nachdem der Strauss nicht mehr schön war und damit begonnen hatte, seine Blätter und Blüten im Wohnzimmer zu verstreuen, habe ich aber versucht, noch möglichst viel aus ihm herauszuholen, bevor er im Abfall verschwindet. Es gab daraus mehrere Lumenprints, denn ich habe ein paar Papiere getestet. Unten z.B Kentmere (50 x 70 cm), ein Papier, von dem ich ziemlich viel habe und das ich für ein Projekt diesen Sommer verwenden möchte. Ich habe den ganzen Mimosenstrauss in eine Lösung mit Vitamin C und Soda eingelegt. Zusammen mit den Phenolen der Mimosen ergibt dies einen einfachen Entwickler. Legt man diesen getränkten Strauss dann zwei Stunden auf dem Papier an die Sonne, entsteht ein sogenanntes Phytolumen. Das Kentmere-Papier ist für Lumenprintvarianten ein Glücksfall, es scheint so, dass es sich seine Farben – anders als diejenigen der allermeisten Fotopapiere – mit dem Fixieren kaum verändern.

Phytolumen eines Mimosenstrausses auf Kentmere Fotopapier, fixiert (50 cm x 70 cm)

Nun aber zum Bild ganz oben. Zur Zeit ist gerade regnerisches und bewölktes Wetter, und da ich für meine Lumenprints viel UV-Licht, also Sonne, brauche, muss ich mich nach anderen Tüfteleien umsehen (ich könnte mit der UV-Lampe arbeiten, ich habe sogar eine – aber dabei fehlt mir die Poesie). So habe ich mir gedacht, wenn ich die Technik „Phyto-/Chemogramm“ mit der Technik „Fotogramm“ kombiniere, brauche ich nur die Dunkelkammer, und keine Sonne! Gedacht, getan:

Ich habe also die letzten Überreste des Mimosenstrausses noch einmal in Soda – Vitamin C- Lösung eingelegt, in der Dunkelkammer auf ein Fotopapier drapiert, im Dunkeln 24 Stunden liegen gelassen und dann ein Fotgramm gemacht. Dabei wird das Fotopapier mit „etwas drauf“ kurz belichtet und dann ganz konventionell entwickelt und fixiert.

Meine Idee hat ganz gut funktioniert: Das Entwickeln hat das Chemogramm nicht ganz weggewaschen, und die Mimosen haben auch das Papier leicht verfärbt.

Ich finde, das Resultat hat etwas Poetisches. Normale Fotogramme bilden lediglich ab, was auf dem Papier WAR. Das auf-dem-Papier-gelegen-Habende selber ist beim fertigen Bild abwesend. Bei diesem Bild hingegen ist, wie dies auch bei Phytolumen der Fall ist, die abgebildete Pflanze selber direkt an der Bildgestaltung beteiligt – sie ist nicht nur umrissgebend, sondern auch entwickelnd und färbend und daher in ganz materiellem Sinn zumindest in Spuren immer noch anwesend.

Filterblick

Wenn man sich etwas autodidaktisch beigebracht hat, kommt es immer wieder vor, dass man ganz einfache Basics irgendwie verpasst hat. So geht es mir mit Farbfiltern. Lange hatte ich einfach einen leichten Gelbfilter auf dem Objektiv, wenn ich Schwarz-Weiss fotografiert habe oder einen Skylight bei Farbfilm. Als ich fotografieren gelernt habe, machten das alle so, um die Objektive vor Kratzern zu schützen.

Vor einer ganzen Weile schon habe ich in der Wühlkiste ein paar Filter gekauft. Orange, Rot, Grün, Blau. Kürzlich habe ich mich endlich mal informiert, welcher Filter welchen Effekt auslöst und einen Probefilm mit grün und rot durchfotografiert (mit der Minolta X700 auf Ilford Delta 400, entwickelt in Adox Rodinal).

Das macht Lust auf mehr:

Dramatische Stimmung dank Rotfilter
Der Grünfilter verteilt Grüntöne aufs ganze Spektrum von Weiss bis Schwarz