Kategoriearchiv: Photographie

Saisonschluss für Sonnendruck

Blauglockenbaum-Blätter, Phytofotogramm, 2026.

Im Sommerhalbjahr 2026 habe ich viel Energie und Zeit in mein Fotoprojekt gesteckt, das sich mit invasiven Pflanzen auseinandersetzt. Im Rahmen dieses Projekts habe ich eine eigene Technik entwickelt, die ich Phytofotogramm nenne. Mehr dazu bald hier.

Eigentlich wollte ich die Saison 2026 Anfang Oktober abschliessen. Die Pflanzen, die ich für meine Bilder brauche, sind verwelkt. Und für einen Teil meiner Bilder braucht es viel UV-Licht, also Sonne. Bis nächsten April ruht diese Arbeit eigentlich.

Doch dann kamen wir Mitte Oktober auf einem Spaziergang an einem Strauch mit eigenartig und fremdartig grossen, flaumigen Blättern vorbei. Es handelt sich um einen Blauglockenbaum, dekorativ und sehr invasiv, auf der Liste der zu bekämpfenden Arten. Ich konnte nicht widerstehen und ein paar Blätter kamen mit. Aber jetzt ist wirklich Saisonschluss (mein Umfeld meint dazu: „Wer‘s glaubt…“). Die Laborchemikalien sind jedenfalls entsorgt und die Schalen geputzt.

Ich habe die Blätter ordnungsgemäss im Haushaltabfall entsorgt. Und die Gemeinde Amden wird den Blauglockenbaum-Bestand hoffentlich auch bekämpfen. Behördlich bekannt ist er jedenfalls:

Experimental Photo Festival 2026

Dieses Jahr fand das Experimental Photo Festival in Barcelona während einer Hitzewelle statt. Anders als letztes Jahr war ich deshalb abends zu erschöpft, um noch mit um die Häuser zu ziehen und Vernissagen zu besuchen. Bis auf eine: Die Ausstellung „Flying Roots“ mit den dreifarbigen Cyanotypien von Bartgeiern von Maria Solaguren. Nicht nur sind die Fotografien absolut fantastisch, auch der Prozess und das „warum“ der Wahl des Prozesses – Bartgeier gehören zu den Tieren, die sich selber färben, indem sie ihre Federn in eisenhaltiges Wasser tunken – waren ausgesprochen gut beschrieben. Sie hat dabei den Prozess einerseits gezeigt – also die einzelnen Schritte einzeln austestellt, anderseits auch so beschrieben, dass sie nicht zu tief auf die technischen Aspekte eingegangen ist, sondern vielmehr auf den Bezug der Wahl der Technik zum Abgebildetetn fokussiert hat. Eine Inspiration für meine eigene Arbeit!

Bild: Claudia Quintana, https://www.instagram.com/claudiaquintanafoto/

Ich habe vier Workshops besucht. Anders als vor einem Jahr habe ich dieses Jahr nicht Workshops gewählt, die Techniken thematisierten, die ich so gar nicht kenne, sondern solche, die nah an meiner eigenen Praxis sind. Die Idee dahinter war, eine andere Perspektive auf meine Arbeit zu bekommen. Und das hat sehr gut funktioniert und auch die eine oder andere Überraschung beinhalten. Ich habe zwei Dinge gelernt, die ich in der Dunkelkammer ausprobieren möchte, und ein paar andere auch:

Es ist möglich, Bilder nur partiell zu entwickeln /fixieren (mit einem Pinsel, ganz vorsichtig). Danach kann man auf den Rest des Bildes z.B. ein Lumenprint machen.

Es ist möglich, Bilder in der Dunkelkammer mit einer Runde Entwickeln dazwischen doppelzubelichten. Dann sieht man, was man tut!

Eine Camera Obscura wird auch nach Jahrzehnten nicht langweilig. Sogar gestande Kunstprofessoren werden wieder verspielt wie Kinder, wenn sie eine solche in die Hand bekommen.

Offenbar legen psychologische Studien nahe, dass wir uns an Ereignisse, die wir fotografieren, besser erinnern können. Bloss: Was machen wir mit all den Bildern in all den Datenzentren?

Habe ich das mit der Hitzewelle schon erwähnt? Barcelona war trotzdem grossartig.

Langsam verschwindende Bilder

Anthotypie: Brombeere auf mit Randensaft beschichtetem Papier. Links frisch, rechts nach neun Monaten an der Sonne.

2024 hatte ich eine heftige Anthotypie-Phase. zwischen Frühling und Herbst habe ich etwas 100 Bilder gemacht, mit den unterschiedlichsten Pflanzen und viel gelernt.

2025 war mein Lumenprint-Jahr. Deshalb habe ich nur noch einige wenige Anthotypien gemacht, vor allem Experimente für den Internationalen Tag der Anthotpie, an dem ganz viele Menschen neue Pflanzen ausprobieren, um die grosse Datenbank zu erweitern.

Was ich letztes Jahr auch gemacht habe: Eines der Bilder mit UV-Schutz eingesprüht und an einer Wand ohne direkte Sonne aufgehängt. Neun Monate später ist da Bild noch sichtbar, aber schon stark ausgebleicht.

Die Bilder von 2024 sind alle in einem Album, das in einer Schublade liegt. Auch diese bleichen langsam aus. Das ist halt so bei Anthotypien: Die sind nicht für die Ewigkeit gemacht! Grundsätzlich scheint, wenig überraschend, zu gelten: Je schneller das Bild entsteht, desto schneller verschwindet es auch. Es wäre interessant, die Datenbank auch noch um diese Angabe zu erweitern.

Kartoffelkrautexperimente

Ab und zu mische ich meinen Entwickler selber. Für diesen hier habe ich etwas Geduld gebraucht – ich habe ihn mit Kartoffelkraut angesetzt, und dafür Anfang Jahr extra zwei Kartoffeln gepflanzt. Ich habe keinen grünen Daumen, dass ich es geschafft habe, die Pflänzchen in meinem Wohnzimmer so gross werden zu lassen, heisst schon etwas:

Das Rezept für den Entwickler – noch nicht perfekt:

  • Die kleingeschnittenen Pflanzen mit 7 dl heissem Wasser übergiessen, 24 Stunden ziehen lassen
  • 40 Gramm Soda und 10 Gramm Vitamin C in heissem Wasser auflösen, mit dem Kartoffeltee mischen
  • Gut absieben
  • Den Film 30 Minuten entwickeln

Zwei Fehler sind offensichtlich: Ich habe den Entwickler nicht gut genug abgesiebt, es hat Flecken auf den Negativen, die wohl von den Sodakristallen stammen. Das nächste Mal nehme ich nicht nur ein Sieb, sondern auch noch Filterpapier. Und ich habe den Film vermutlich zu lange entwickelt, denn er wurde ziemlich flau. Zum Bild der Burg Alt-Wädenswil passt das aber eigentlich noch ganz gut!