Bärlauch in der Dunkelkammer

Analoges Fotografieren ist ein nicht besonders naturnaher Prozess. Die Dunkelkammer ist ein kleines Chemielabor, es ist viel Plastik im Spiel und man arbeitet mit Substanzen, die als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Man kann also versuchen, Chemikalien zu verwenden, die weniger umweltbelastend sind als herkömmliche Fotochemikalien. Oder man kann mit alternativen Fototechniken experimentieren wie Cyanotypie oder noch chemikalienärmer: Anthotypie. Man kann aber sogar noch experimenteller werden und pflanzenbasierte Entwicklerflüssigkeiten selber herstellen – ein Feld, auf dem das London Alternative Photography Collective mit dem Sustainable Darkroom Projekt forscht und experimentiert. Dem Sustainable Darkroom Projekt habe ich auch das Rezept für mein erstes Experiment zu verdanken.

Um analoge Filme zu entwickeln, muss man die Silberverbindungen auf den Negativen zum Reagieren bringen – so dass die belichteten Stellen anders reagieren als die unbelichteten. Das gelingt z.B. mit Kaffeesäure und Vitamin C. Kaffeesäure ist bei weitem nicht nur in Kaffee enthalten, sondern auch in Bärlauch. Fermentierter Bärlauch – angereichert mit Vitamin C – eignet sich offenbar auch als Entwickler.

Fermentierter Bärlauch riecht ziemlich stark, aber zum Glück doch etwas weniger stark als ich mir das vorgestellt hatte. Dennoch bin ich froh, einen Occasion-Negativtank besorgt zu haben, um die normalen nicht zu stark zu beduften. Nach dem Entwickeln müssen die Negative dann noch fixiert werden. Auch dafür braucht es nicht unbedingt hochkomplexe und giftige Chemikalien – eine gesättigte Kochsalzslösung tut es auch (allerdings braucht es Geduld – 24 Stunden statt ein paar Minuten).

Die Papierabzüge habe ich anschliessend ganz konventionell mit der Laborchemie von ars imago (immerhin basierend auf ökologisch optimierten Rezepturen) entwickelt. Der Bärlauchsaft war mir dann doch etwas zu intensiv im Geruch für die kleine Dunkelkammer – beim Papierentwickeln hätte er in der flachen Schale recht lang Zeit bekommen, sich zu entfalten.

Ressourcen für nachhaltige und alternative Fotografie:

Jahresrückblick 2022 in zwölf Bildern

Januar: Schnee und Kälte
Februar: Sprachlos
März: Auf dem Dach des „Vortex“, Uni Lausanne
April: Endlich einen Neopren angeschafft!
Mai: Barcelona
Juni: Mit dem Faltboot über den Walensee
Juli: Herausgefunden, dass ich eine Wespenallergie habe
August: Cardiff Pride
September: Kurztrip nach Berlin
Oktober: Kegeln in der Ziegelhütte
November: Treppenhausrenovation
Dezember: Die Kirchenglocken läuten nach der Renovation wieder

mutter ist nicht mein Pronomen

Seit Wochen tu‘ ich mich schwer: Ich möchte gerne meine Pronomen in meine div. online-Bios schreiben. Immer wieder editiere ich meine Profile, schreibe sie/she – und lösche es dann wieder. Ich fühle mich nicht wohl damit, es beschreibt mich irgendwie nicht ausreichend.

Es stört mich zwar nicht, wenn mich Menschen „sie“ nennen, ich bin auch einigermassen im Reinen mit meinem angeborenen Körper. Na ja, so sehr im Reinen, wie ich es als weiblich gelesener, nicht normschöner und in den 70ern auf dem Land als Frau sozialisierter Mensch eben sein kann, jedenfalls. Mein Körper war dreimal schwanger, hat drei Säuglinge gestillt und das war gut so. Ich will keinen andern, ich hab‘ den halt und finde es in Ordnung so (-> „ok with default“).

Aber sie/she SELBER über mich schreiben? So als erstes Hauptmerkmal? Das fühlt sich falsch an.

Diesen Sommer hat nun einer der Sprösslinge in meiner Hörweite Freund:innen gegenüber von „my mom“ gesprochen – das hat sich SO DERMASSEN falsch angefühlt, ich hätte fast reingerufen: Bitte nicht! Ich identifizere mich nicht mit „Mama“, respektive nicht mit dem, was da alles so an gesellschaftlichen Erwartungen dranhängt. Ich habe (inzwischen erwachsene) Kinder, ja; drei Stück sogar, und zwar (meistens) gern. Ich bin deren biologische Mutter und habe sie als eins von zwei Elternteilen mit auf- und erzogen. Aber „Mama“ – nein, das beschreibt mich nicht. Mama reduziert mich auf ein Set von erwartetem Verhaltens- und Interessenrepertoire. Das ich nicht erfülle und nicht erfüllen will.

mutter ist nicht mein Pronomen.

Das hätten wir also schon mal. Aber fast genauso falsch wie „Mama“ als Haupteigenschaft auf mich zu beziehen fühlt es sich auch an, sie/she als erstes (!) in meine Profil-Bios zu schreiben. So falsch, wie wenn mich einer fragt: „sag mal, du als Frau… kannst du mir mal erklären, warum Frauen sich so oder so verhalten…“ Denn ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll; denn dass ich eine Frau bin, ist nicht das, was für mein Ich-Gefühl die relevanteste Kategorie ist. Da sind andere Eigenschaften gefühlt viel relevanter. Alter, Klasse, links sein, Interessen zum Beispiel. „Ich als Frau…“ ist nur dann eine relevante Kategorie, wenn ich auf Grund meiner nicht-Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht/Gender diskriminiert werde (darum bin ich Feministin).

Ich hab‘ jetzt „used to she“ geschrieben.

Auf reddit habe ich kürzlich den schönen Satz gelesen: „My pronouns are no pronouns, because I do not want to participate in „Gender“. Ich will bei diesem Genderding auch nicht mitmachen; ich kämpfe gegen Genderstereotype seit ich fünf Jahre alt bin und mir im Kindergarten einen Platz an der Modelleisenbahn erarbeitet habe (das war im Fall nicht einfach! 1972!).

Vielleicht hätte ich ja auch lieber gar keine Pronomen.

Jahresrückblick 2021 in zwölf Bildern

Januar: So viel Schnee.
Februar: Eine neue alte Kamera.
März: Die Museen gehen wieder auf.
April: 1.5 Tage Gemeindeversammlung !
Mai: Eigene Pilze.
Juni: Geimpft!
Juli: Wasser, Wasser, Wasser. Hier: Maggiatal.
August: Ein Özi-Tatoo gestickt.
September: Ferien zu zweit in Florenz.
Oktober: Hier kommt eine Blumenwiese hin.
November: So viel Nebel ist selten.
Dezember: Endlich habe ich eine Polaroid-Kamera.