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Lumenprint-Tagebuch: Unspektakuläre Rekorde

Und wieder gibt es „Rekord-Wetter“, Schnee an Ostern, Überschwemmungen, Unwetter. Geschlossene Strassen, Stromausfälle. Die online-Portale schalten Newsticker.

Doch nicht alle Veränderungen in den Wettermustern sind so spektakulär. Der Bodensee mit seinem aktuell rekordtiefen Wasserstand (die Rekorde jagen sich!) liegt ruhig und unspektakulär da, man muss schon wissen, wie er normalerweise aussieht und riecht, um es zu bemerken. Jedenfalls im Obersee, wo der See tief und das Ufer steiler ist, und es über weite Strecken einen Schilfgürtel hat, der auch trockengefallen „normal“ aussieht. Doch der trockengefallene Streifen ist breit und erinnert an die Ostsee bei Ebbe.

Bei Egnach habe ich eine Lücke im Schilfgürtel gefunden. Dort, wo das Gras aufhört, fängt normalerweise der See an. jetzt geht es noch ein ganzes Stück weiter, auf brackig riechendem lehmigem Boden. Je näher ich dem Wasser komme, desto schlammiger wird es, und wenn da nicht überall alte, abgebrochene Schilfstängelstück liegen würden, würde ich einsinken. Ich möchte als Erinnerung nicht nur lehmverkrustete Turnschuhe nach Hause nehmen:

Die Belichtungszeit war unfreiwillig kurz. Es war windig, und obwohl ich eine windgeschützte Stelle gesucht habe, war das Schilf dann auf einmal weg.

Papierentwickler aus Abfall, erster Versuch

So habe ich den Entwickler gebraut
  • 7 dl Wasser mit 40 Gramm Kaffeesatz 10 Minuten köcheln, absieben
  • mit 210 Gramm Asche vermischen (das sind ca. 8 dl)
  • 60 Gramm Mandarinen- und Zitronenschalen beigeben, eine Stunde stehen lassen
  • absieben (mehrmals…)
  • PH: 12
  • auf ca. 80 Grad erwärmen
Im Labor
  • Entwickeln bei 30-50 Grad, 3-5 Minuten.
  • Viel bewegen wegen der vielen Feststoffe im Entwickler.
  • Stopp und Fix mit konventioneller Laborchemie. Das Stoppbad kann man aber nachher entsorgen…
  • Vor dem Fixieren mit Wasser gut abspülen (sonst ist der Fixierer verschmutzt).
  • Das beste Resultat gab es mit 3 Minuten und eher viel Wärme.
Fragen, die sich mir im Anschluss stellen

Das Bild ist sehr braun geworden. Das liegt daran, dass der Kaffeesatz ein starker Toner ist. Vielleicht Phenole mit weniger Eigenfarbe verwenden?

Auch ist es eher kontrastarm. Ein Negativ mit starken Kontrasten zu verwenden, ist daher sicher eine gute Idee. Aber vielleicht könnte der Kontrast auch anders erhöht werden – mehr Phenole? (Kompost vielleicht? Oder altes Bier?) Zitrusfrüchte fermentieren?

P.S.: Dasselbe Bild, konventionell entwickelt

P.P.S.: Ich bin nicht die erste, die das versucht. Viel gelernt habe ich sus dem Buch von James Sewell, www.failsafefailed.com/, der seine Erkenntnisse frei zu Verfügung stellt. Danke!

Gegen den Februarblues

Februar im Sihlwald: Die Natur ruht noch, aber nicht mehr lange!

Der Februar war für mich immer der schlimmste Monat des Jahres (die Ausnahme waren allenfalls ein paar wenige Teenagerjahre, in denen ich den Februar zusammen mit meinem Saxophon an der Fasnacht verbrachte).

Im Februar hat man das Gefühl, der Winter sollte von Rechts wegen eigentlich langsam aber sicher vorbei sein, aber man steckt fest, gefangen in einer Warteschlaufe aus grauen Tagen, schmutzigen Strassen und muffigen Zügen. Ein Monat zum Vergessen.

Dieses Jahr versuche ich, dem Februar eine neue Bedeutung zu geben, als dem Monat, der der Vorbereitung auf den Frühling gewidmet ist. Denn so langsam kommt die Energie zurück, die Tage werden wieder länger und es ist auch immer öfter nicht mehr gar so kalt.

Sommerferienpläne schmieden, Fotoexperimente, die Sonnenlicht brauchen, vorbereiten, Ausflüge ausstudieren, Frühlingsputz in Angriff nehmen.

Und wieder nach draussen gehen, lange nach draussen gehen. Heute zum Beispiel auf einem langen Waldspaziergang von der Albispasshöhe über die Hochwacht und dann runter quer durch den Sihlwald bis zur Endhaltestelle der Sihltalbahn.

Fliegen ist so schön! Es macht mich traurig, darauf zu verzichten.

Letzte Woche bin ich an eine Konferenz geflogen, an die dalmatinische Adriaküste. Es war mein erster Flug seit über 10 Jahren – und Himmel, war das schön! Die minutiöse Logistik am Flughafen und die hochkomplexe Technik sind sehr faszinierend (ich könnte stundenlang zuschauen), das Gefühl beim Abheben ist besser als jede Chilbibahn und der Blick aus 10 km Höhe auf die Seen, die Alpen, den Tagliamento, die Lagunen von Venedig, die Inseln an der kroatischen Küste – wahnsinnig schön (Kant hätte es wohl als erhaben bezeichnet, hätte es die Fliegerei zu seiner Zeit schon gegeben).

Ich wurde mal als „militante Nichtfliegerin“ bezeichnet. Das ist nicht ganz falsch – denn was den persönlichen ökologischen Fussabdruck betrifft, ist hier eine der grössten Stellschrauben. Ich wurde lange nicht müde, diese Tatsache allen, die es nicht hören wollten, unter die Nase zu binden. Denn keine andere Handlung, über die man selber entscheiden kann, hat einen so grossen CO2-Impact. Ausser Ja-Stimmen am 18. Juni natürlich!

Dennoch: Flugscham habe ich letzte Woche nicht empfunden. Denn mein persönliches Lebensbilanz-Flugkonto weist immer noch eine einstellige Zahl an Flügen auf, und auch dieses Mal habe ich sorgfältig abgewogen und mich sehr bewusst dafür entschieden (und gut geplant: An der Konferenz hatte ich Seiten-Treffen, für die ich sonst – wenn auch mit dem Zug – weit hätte fahren müssen).

Was ich aber durchaus empfinde, ist so etwas wie Nicht-Flug-Trauer. Es kann durchaus wieder mehrere Jahre dauern, bis ich das nächste Mal in ein Flugzeug steige, wenn überhaupt. Und das finde ich sehr, sehr richtig, aber gleichzeitig halt auch sehr, sehr, schade. Ich glaube, es ist wichtig, anzuerkennen, dass es bei aller Überzeugung nicht einfach ist, nicht zu Fliegen. Es ist nämlich toll, so schnell so weit zu reisen, es ist wunderbar, was man sieht von da oben und es ist super, wie schnell man wieder zu Hause ist nach einer anstrengenden Konferenz. Mit Zug und Bus hätte die Reise ein gutes Stück über 24 Stunden gedauert.

Das Gegenstück zu Flugscham ist ja scheints Zugstolz. Ich glaube, ich brauche jetzt dringende eine sehr, sehr coole Zugreise!