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Experimental Photo Festival 2026

Dieses Jahr fand das Experimental Photo Festival in Barcelona während einer Hitzewelle statt. Anders als letztes Jahr war ich deshalb abends zu erschöpft, um noch mit um die Häuser zu ziehen und Vernissagen zu besuchen. Bis auf eine: Die Ausstellung „Flying Roots“ mit den dreifarbigen Cyanotypien von Bartgeiern von Maria Solaguren. Nicht nur sind die Fotografien absolut fantastisch, auch der Prozess und das „warum“ der Wahl des Prozesses – Bartgeier gehören zu den Tieren, die sich selber färben, indem sie ihre Federn in eisenhaltiges Wasser tunken – waren ausgesprochen gut beschrieben. Sie hat dabei den Prozess einerseits gezeigt – also die einzelnen Schritte einzeln austestellt, anderseits auch so beschrieben, dass sie nicht zu tief auf die technischen Aspekte eingegangen ist, sondern vielmehr auf den Bezug der Wahl der Technik zum Abgebildetetn fokussiert hat. Eine Inspiration für meine eigene Arbeit!

Bild: Claudia Quintana, https://www.instagram.com/claudiaquintanafoto/

Ich habe vier Workshops besucht. Anders als vor einem Jahr habe ich dieses Jahr nicht Workshops gewählt, die Techniken thematisierten, die ich so gar nicht kenne, sondern solche, die nah an meiner eigenen Praxis sind. Die Idee dahinter war, eine andere Perspektive auf meine Arbeit zu bekommen. Und das hat sehr gut funktioniert und auch die eine oder andere Überraschung beinhalten. Ich habe zwei Dinge gelernt, die ich in der Dunkelkammer ausprobieren möchte, und ein paar andere auch:

Es ist möglich, Bilder nur partiell zu entwickeln /fixieren (mit einem Pinsel, ganz vorsichtig). Danach kann man auf den Rest des Bildes z.B. ein Lumenprint machen.

Es ist möglich, Bilder in der Dunkelkammer mit einer Runde Entwickeln dazwischen doppelzubelichten. Dann sieht man, was man tut!

Eine Camera Obscura wird auch nach Jahrzehnten nicht langweilig. Sogar gestande Kunstprofessoren werden wieder verspielt wie Kinder, wenn sie eine solche in die Hand bekommen.

Offenbar legen psychologische Studien nahe, dass wir uns an Ereignisse, die wir fotografieren, besser erinnern können. Bloss: Was machen wir mit all den Bildern in all den Datenzentren?

Habe ich das mit der Hitzewelle schon erwähnt? Barcelona war trotzdem grossartig.

Lumenprint-Tagebuch: Unspektakuläre Rekorde

Und wieder gibt es „Rekord-Wetter“, Schnee an Ostern, Überschwemmungen, Unwetter. Geschlossene Strassen, Stromausfälle. Die online-Portale schalten Newsticker.

Doch nicht alle Veränderungen in den Wettermustern sind so spektakulär. Der Bodensee mit seinem aktuell rekordtiefen Wasserstand (die Rekorde jagen sich!) liegt ruhig und unspektakulär da, man muss schon wissen, wie er normalerweise aussieht und riecht, um es zu bemerken. Jedenfalls im Obersee, wo der See tief und das Ufer steiler ist, und es über weite Strecken einen Schilfgürtel hat, der auch trockengefallen „normal“ aussieht. Doch der trockengefallene Streifen ist breit und erinnert an die Ostsee bei Ebbe.

Bei Egnach habe ich eine Lücke im Schilfgürtel gefunden. Dort, wo das Gras aufhört, fängt normalerweise der See an. jetzt geht es noch ein ganzes Stück weiter, auf brackig riechendem lehmigem Boden. Je näher ich dem Wasser komme, desto schlammiger wird es, und wenn da nicht überall alte, abgebrochene Schilfstängelstück liegen würden, würde ich einsinken. Ich möchte als Erinnerung nicht nur lehmverkrustete Turnschuhe nach Hause nehmen:

Die Belichtungszeit war unfreiwillig kurz. Es war windig, und obwohl ich eine windgeschützte Stelle gesucht habe, war das Schilf dann auf einmal weg.

Papierentwickler aus Abfall, erster Versuch

So habe ich den Entwickler gebraut
  • 7 dl Wasser mit 40 Gramm Kaffeesatz 10 Minuten köcheln, absieben
  • mit 210 Gramm Asche vermischen (das sind ca. 8 dl)
  • 60 Gramm Mandarinen- und Zitronenschalen beigeben, eine Stunde stehen lassen
  • absieben (mehrmals…)
  • PH: 12
  • auf ca. 80 Grad erwärmen
Im Labor
  • Entwickeln bei 30-50 Grad, 3-5 Minuten.
  • Viel bewegen wegen der vielen Feststoffe im Entwickler.
  • Stopp und Fix mit konventioneller Laborchemie. Das Stoppbad kann man aber nachher entsorgen…
  • Vor dem Fixieren mit Wasser gut abspülen (sonst ist der Fixierer verschmutzt).
  • Das beste Resultat gab es mit 3 Minuten und eher viel Wärme.
Fragen, die sich mir im Anschluss stellen

Das Bild ist sehr braun geworden. Das liegt daran, dass der Kaffeesatz ein starker Toner ist. Vielleicht Phenole mit weniger Eigenfarbe verwenden?

Auch ist es eher kontrastarm. Ein Negativ mit starken Kontrasten zu verwenden, ist daher sicher eine gute Idee. Aber vielleicht könnte der Kontrast auch anders erhöht werden – mehr Phenole? (Kompost vielleicht? Oder altes Bier?) Zitrusfrüchte fermentieren?

P.S.: Dasselbe Bild, konventionell entwickelt

P.P.S.: Ich bin nicht die erste, die das versucht. Viel gelernt habe ich sus dem Buch von James Sewell, www.failsafefailed.com/, der seine Erkenntnisse frei zu Verfügung stellt. Danke!

Gegen den Februarblues

Februar im Sihlwald: Die Natur ruht noch, aber nicht mehr lange!

Der Februar war für mich immer der schlimmste Monat des Jahres (die Ausnahme waren allenfalls ein paar wenige Teenagerjahre, in denen ich den Februar zusammen mit meinem Saxophon an der Fasnacht verbrachte).

Im Februar hat man das Gefühl, der Winter sollte von Rechts wegen eigentlich langsam aber sicher vorbei sein, aber man steckt fest, gefangen in einer Warteschlaufe aus grauen Tagen, schmutzigen Strassen und muffigen Zügen. Ein Monat zum Vergessen.

Dieses Jahr versuche ich, dem Februar eine neue Bedeutung zu geben, als dem Monat, der der Vorbereitung auf den Frühling gewidmet ist. Denn so langsam kommt die Energie zurück, die Tage werden wieder länger und es ist auch immer öfter nicht mehr gar so kalt.

Sommerferienpläne schmieden, Fotoexperimente, die Sonnenlicht brauchen, vorbereiten, Ausflüge ausstudieren, Frühlingsputz in Angriff nehmen.

Und wieder nach draussen gehen, lange nach draussen gehen. Heute zum Beispiel auf einem langen Waldspaziergang von der Albispasshöhe über die Hochwacht und dann runter quer durch den Sihlwald bis zur Endhaltestelle der Sihltalbahn.