Februar im Sihlwald: Die Natur ruht noch, aber nicht mehr lange!
Der Februar war für mich immer der schlimmste Monat des Jahres (die Ausnahme waren allenfalls ein paar wenige Teenagerjahre, in denen ich den Februar zusammen mit meinem Saxophon an der Fasnacht verbrachte).
Im Februar hat man das Gefühl, der Winter sollte von Rechts wegen eigentlich langsam aber sicher vorbei sein, aber man steckt fest, gefangen in einer Warteschlaufe aus grauen Tagen, schmutzigen Strassen und muffigen Zügen. Ein Monat zum Vergessen.
Dieses Jahr versuche ich, dem Februar eine neue Bedeutung zu geben, als dem Monat, der der Vorbereitung auf den Frühling gewidmet ist. Denn so langsam kommt die Energie zurück, die Tage werden wieder länger und es ist auch immer öfter nicht mehr gar so kalt.
Sommerferienpläne schmieden, Fotoexperimente, die Sonnenlicht brauchen, vorbereiten, Ausflüge ausstudieren, Frühlingsputz in Angriff nehmen.
Und wieder nach draussen gehen, lange nach draussen gehen. Heute zum Beispiel auf einem langen Waldspaziergang von der Albispasshöhe über die Hochwacht und dann runter quer durch den Sihlwald bis zur Endhaltestelle der Sihltalbahn.
Diesen Sommer versuche ich, in sehr vielen verschiedenen Seen zu schwimmen. Ich schwimme sehr gern, ohne nennenswerten sportlichen Ehrgeiz, ich mag einfach die Bewegung und das im Wasser sein.
In diesen Seen bin ich bisher diese Saison geschwommen (im Walen- und im Zürichsee schon mehrfach):
Letzte Woche bin ich an eine Konferenz geflogen, an die dalmatinische Adriaküste. Es war mein erster Flug seit über 10 Jahren – und Himmel, war das schön! Die minutiöse Logistik am Flughafen und die hochkomplexe Technik sind sehr faszinierend (ich könnte stundenlang zuschauen), das Gefühl beim Abheben ist besser als jede Chilbibahn und der Blick aus 10 km Höhe auf die Seen, die Alpen, den Tagliamento, die Lagunen von Venedig, die Inseln an der kroatischen Küste – wahnsinnig schön (Kant hätte es wohl als erhaben bezeichnet, hätte es die Fliegerei zu seiner Zeit schon gegeben).
links Blick nach Hause, rechts auf die Inselwelt der Adria.
Ich wurde mal als „militante Nichtfliegerin“ bezeichnet. Das ist nicht ganz falsch – denn was den persönlichen ökologischen Fussabdruck betrifft, ist hier eine der grössten Stellschrauben. Ich wurde lange nicht müde, diese Tatsache allen, die es nicht hören wollten, unter die Nase zu binden. Denn keine andere Handlung, über die man selber entscheiden kann, hat einen so grossen CO2-Impact. Ausser Ja-Stimmen am 18. Juni natürlich!
Dennoch: Flugscham habe ich letzte Woche nicht empfunden. Denn mein persönliches Lebensbilanz-Flugkonto weist immer noch eine einstellige Zahl an Flügen auf, und auch dieses Mal habe ich sorgfältig abgewogen und mich sehr bewusst dafür entschieden (und gut geplant: An der Konferenz hatte ich Seiten-Treffen, für die ich sonst – wenn auch mit dem Zug – weit hätte fahren müssen).
Was ich aber durchaus empfinde, ist so etwas wie Nicht-Flug-Trauer. Es kann durchaus wieder mehrere Jahre dauern, bis ich das nächste Mal in ein Flugzeug steige, wenn überhaupt. Und das finde ich sehr, sehr richtig, aber gleichzeitig halt auch sehr, sehr, schade. Ich glaube, es ist wichtig, anzuerkennen, dass es bei aller Überzeugung nicht einfach ist, nicht zu Fliegen. Es ist nämlich toll, so schnell so weit zu reisen, es ist wunderbar, was man sieht von da oben und es ist super, wie schnell man wieder zu Hause ist nach einer anstrengenden Konferenz. Mit Zug und Bus hätte die Reise ein gutes Stück über 24 Stunden gedauert.
Das Gegenstück zu Flugscham ist ja scheints Zugstolz. Ich glaube, ich brauche jetzt dringende eine sehr, sehr coole Zugreise!