Es tut mir immer ein kleines bisschen weh, invasive Neophyten auszureissen. Sie können ja nichts dafür, dass sie hier nicht hinpassen und das Gleichgewicht stören. Ich fühle mich jeweils wie eine schlechte Gastgeberin.
Im Kanton Glarus gibt es 14 invasive Pflanzenarten, die als so problematisch gelten, dass sie offiziell bekämpft werden. Im verlassenen Garten vis-à-vis wächst eine davon büschelweise: Die kanadische Goldrute.
Das hier sind einige davon:
Kanadische Goldruten, Cyano-Phyto-Lumen auf uraltem Kodak-Papiermaking of
Letzte Woche hat ein Gewitter ein paar Äste eines Trompetenbaums gepflückt.
Ich habe einen davon nach Hause genommen um auszuprobieren, ob sich die Blätter für Chlorotypie eignen, also für einen Druck auf Papier durch stellenweises ausbleichen des Chlorophylls.
Die Blätter sind sehr gross und haben eine kompakte Form. Es sollte nicht allzu schwierig sein, darauf ein Bild gut zu plazieren.
Ich habe verschiede Ansätze getestet: Ein auf Folie gedrucktes Foto (siehe Bild rechts), eine Blütendolde, eine Blütendolde auf ein mit Cyanotypie-Lösung vorbehandeltem Blatt. Leider hat nichts davon ein brauchbares Resultat hervorgebracht.
Auch mit dem besten Willen und viel Anstrengung kann man hier nicht erkennen, was das Bild darstellen soll (eine Rückenansicht der Ganymed-Adler-Skulptur am Bürkliplatz in Zürich). Ich denke, die Blätter sind zu weich und haben einen zu hohen Wasseranteil – sie ziehen sich beim Trocken sehr rasch sehr stark zusammen. Nach dem nächsten Gewitter versuche ich es vielleicht noch einmal, mit einem Blatt, das ich zuerst presse, bis es fast trocken und ganz flach ist.
Auszuschliessen ist die Hypothese, es könnte an der etwas milchigen Folie gelegen haben, die ich für die Vorlage verwendet habe. Ich habe dieselbe Vorlage benutzt, um auf Efeu zu drucken – dass Efeublätter gut geeignet sind, weiss ich schon -, und das hat funktioniert. So wäre es gedacht gewesen.
Und hier noch das Originalfoto: Ganymed mit Adler, von hinten.
Kürzlich habe ich einen Granatapfel gekauft, der sich beim Rüsten als halb verdorben herausgestellt hat. Ich habe ihn nicht direkt kompostiert, sondern die noch einigermassen passablen Teile kleingeschnitten, mit heissem Wasser übergossen, die Schale eines anderen Granatapfels hinzugefügt und das ganze ein paar Tage stehengelassen. Der so entstandene „Tee“ war die Grundlage für einen selbstgemachten Filmentwickler:
500 ml Granatapfel-„Tee“
40 g Soda
10 g Vitamin C
0.5 g Kaliumbromid
Damit habe ich einen 2020 abgelaufenen und heute mit der Rolleiflex „verfotografierten“ Ilford-Delta-400-Film 12 Minuten lang bei 39 Grad entwickelt.
Et voilà – es war ein heisser Sommertag, heute:
Zwei Tage später habe ich den selbstgebrauten Entwickler verwendet, um einen Abzug zu machen. Dabei habe ich gelernt:
Mit RC-Papier hat es nicht funktioniert, auf Baryt jedoch schon.
Obwohl die Negative einen deutlichen Orange-/Rotstich haben, funktioniert der Abzug auf Multigradepapier.
Für das Entwickeln im Granatapfelentwickler habe ich das Papier dreimal so lange belichtet wie für das Entwickeln im Standardentwickler.
Die Entwicklungszeit ist sehr lange: 6-8 Minuten. Auch habe ich recht lange gewässert, und schon zwischen Entwickeln und Stopp ein Wasserbad dazwischengeschaltet, um den Granatapfel-Soda-Brei nicht im Fixierer zu haben. Das lange Bad weicht das Papier sehr auf, es ist dann sehr empfindlich. Mit Wäscheklammern zum Trocknen aufhängen geht nicht mehr.
Abzug auf abgelaufenem Ilford RC Multigrade-Papier
Und wieder gibt es „Rekord-Wetter“, Schnee an Ostern, Überschwemmungen, Unwetter. Geschlossene Strassen, Stromausfälle. Die online-Portale schalten Newsticker.
Doch nicht alle Veränderungen in den Wettermustern sind so spektakulär. Der Bodensee mit seinem aktuell rekordtiefen Wasserstand (die Rekorde jagen sich!) liegt ruhig und unspektakulär da, man muss schon wissen, wie er normalerweise aussieht und riecht, um es zu bemerken. Jedenfalls im Obersee, wo der See tief und das Ufer steiler ist, und es über weite Strecken einen Schilfgürtel hat, der auch trockengefallen „normal“ aussieht. Doch der trockengefallene Streifen ist breit und erinnert an die Ostsee bei Ebbe.
Bei Egnach habe ich eine Lücke im Schilfgürtel gefunden. Dort, wo das Gras aufhört, fängt normalerweise der See an. jetzt geht es noch ein ganzes Stück weiter, auf brackig riechendem lehmigem Boden. Je näher ich dem Wasser komme, desto schlammiger wird es, und wenn da nicht überall alte, abgebrochene Schilfstängelstück liegen würden, würde ich einsinken. Ich möchte als Erinnerung nicht nur lehmverkrustete Turnschuhe nach Hause nehmen:
Bei Egnach hat es eine Lücke im Schilfgürtel, der Weg zum See dreimal so weit wie üblichSchlamm und Schilf auf altem Agfa-Papier
Die Belichtungszeit war unfreiwillig kurz. Es war windig, und obwohl ich eine windgeschützte Stelle gesucht habe, war das Schilf dann auf einmal weg.