Archiv der Kategorie: Lumenprint

Im Kartoffelgeschichte-Rabbithole

Röselerscheibe. Lumenprint auf altem Forte-Fotopapier, unfixiert
(Katia Weibel, 2025)

Am Anfang stand eine schlichte Frage:

Die Kartoffel der Sorte „Röseler“ stammt aus Schwanden/GL. Aber was bedeutet das überhaupt? Wie lange muss die Einwanderung einer Pflanze her sein, dass sie einheimisch, ja gar „hiesigstämmig“ zu gelten beginnt?

Und dann bin ich unerwarteterweise darauf gestossen, dass die Glarner:innen und die Kartoffel eine speziell langjährige Beziehung haben!

Frühe Kartoffelfans in Glarus

Die ersten Kartoffeln kamen Ende des 16. Jahrhunderts in die Schweiz. Es heisst, dass 1565 König Philipp II. dem damaligen Papst Pius als königliches Geschenk Kartoffelpflanzen überreichte, worauf von Rom aus Schweizergardisten die Kartoffel in die Schweiz brachten – zunächst als Zierpflanze, und zuerst nach Basel und nach Glarus.

1596 wurde die Kartoffelpflanze das erste Mal in der Schweiz dokumentiert, im Herbar von Caspar Bauhin in Basel. Bauhin ist auch der Namensgeber des lateinischen Namens, «Solanum tuberosum [esculentum]». Interessant scheint mir hier insbesondere der Zusatz „esculentum“, essbar; dies, obwohl in Europa die Kartoffel bis weit ins 18. Jahrhundert als Zierpflanze und giftig galt (Heer und Blumer-Heer erwähnen 1846, dass Bauhin den Anbau der Pflanze empfohlen habe, was aber bald wieder in Vergessenheit ging.) (3).

C. Bauhin: Solanum Tuberosum [Esculentum]
Kartoffelpflanze, Cyanotypie
(Katia Weibel, 2024)
Die erste Glarner Kartoffel: „Altröthen“

Angebaut wurden Kartoffeln in der Schweiz zuerst in den Alpen und Voralpen, weil dort kein Flurzwang herrschte, in Glarus bereits 1697 (1), importiert aus Irland von Jakob Strub von Schanden. Die von ihm mitgebrachte Sorte trägt den Namen „Altröthen, oder „althiesige“ (3).

Doch erst nach einer grossen Hungersnot im Jahr 1799 ging es schnell voran mit den Glarner Kartoffeln: Der Getreideanbau war rückläufig (das Tal ist zu feucht für regelmässige erfolgreichen Getreideernten), Saatenkooperationen entstanden und so wurden nicht nur auf den Allmeinden, sondern auch auf Kooperationsboden und auf privatrechtlich genutzten Flächen Kartoffeln angebaut – so viele, dass bereits wenige Jahre später die einseitige Ernährung ein Thema wurde (2). Im Glarner Arzt Konrad Schindler fand die Kartoffel einen eifrigen Fürsprecher (1). Ein weiterer Konrad Schindler war wenige Jahrzehnte später wieder ein Kartoffelhelfer: Als Politiker und Leiter des „Linthwerks“ trieb er den Ackerbau in Glarus und der Linthregion voran (1). Auch auf die Alpwirtschaft hatte der Aufschwung des Kartoffelanbaus im Tal grossen Einfluss – stand doch weniger Grasland zur Verfügung und die Zahl der Heualpen nahm zu (2).

Wie Kartoffeln auf den Tisch kamen

In den ersten Kartoffel-Boom-Jahren kamen im Glarnerland neben Kartoffeln vor allem Brot, Bohnen und Schweinefleisch auf die Tische (2).

(Zu diesem Thema möchte ich unbedingt noch mehr herausfinden – ich gehe davon aus, dass zb im Glarnerland auch Härdöpfelschnaps gebrannt wurde…)

Kartoffeln auf Glarner Tellern heute

Das wohl typischste Glarner Gericht ist die Kalberwurst, traditionell an der Landsgemeinde serviert – und zwar mit Dörrzwetschgenkompott und Kartoffelstock. Die Kartoffel spielt heute nur noch eine Nebenrolle im kulinarischen Repertoire des Glarnerlandes. Schade, eigentlich!

Ein Herz für Kartoffeln hat auch der Glarner Kochinfluencer Noah Bachofen – oder zumindest ein Herz für Pommes Chips: Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Zweifel im Dezember 2025 die Variante „Aromat“ auf den Markt gebracht hat. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Variante „Schabziger“…

Mit dem Projekt „Teilen auf dem Acker“ will KlimaGlarus den Kartoffelanbau im Glarnerland wieder ankurbeln. Aus diesem Projekt stammt auch die Kartoffel, die ich für das Lumenprint-Bild zum Beginn dieses Blogbeitrags verwendet habe.

Quellen

1 – Historisches Lexikon der Schweiz, „Kartoffel“ / Konrad Schindler (Arzt) / Konrad Schindler (Politiker)
2 – Otto Bartel und Dr. Adolf Jenny: Glarner Geschichte in Daten, Band II (1931), S. 1004 – 1008.
3 – Oswald Heer und J.J. Blumer-Heer: Der Kanton Glarus. Historisch-geographisch-statistisches Gemälde der Schweiz (1846)
4 – Peer Schilperoord: Kulturpflanzen in der Schweiz. Kartoffel. Hg. v. Verein für alpine Kulturpflanzen (2014).

Lumenprint-Tagebuch: Frösche leben gefährlich

Unser Dorf wächst – an den Rändern sind neue Häuser entstanden. Und mit den Häusern kamen Menschen und mit den Menschen kamen Autos. Grosse, schwere Autos.

Vor den Menschen waren Frösche, Kröten, Unken da. Sie überqueren die Strasse, auf denen die Menschen in ihren Autos zu ihren Häusern fahren.

Überfahrener Frosch. Lumenprint auf altem Fortebrom-Papier

Lumenprint-Tagebuch: Aufdringliche Pflanzen

Es tut mir immer ein kleines bisschen weh, invasive Neophyten auszureissen. Sie können ja nichts dafür, dass sie hier nicht hinpassen und das Gleichgewicht stören. Ich fühle mich jeweils wie eine schlechte Gastgeberin.

Im Kanton Glarus gibt es 14 invasive Pflanzenarten, die als so problematisch gelten, dass sie offiziell bekämpft werden. Im verlassenen Garten vis-à-vis wächst eine davon büschelweise: Die kanadische Goldrute.

Das hier sind einige davon:

Kanadische Goldruten, Cyano-Phyto-Lumen auf uraltem Kodak-Papier
making of

Lumenprint-Tagebuch: Endlich wieder im See!

Es ist jedes Jahr wieder ein ganz besonderer Moment: Das erste Mal ohne Neopren im Walensee schwimmen. Meist ist das Ende Mai/ Anfang Juni, und dieses Jahr war es gestern soweit – bei relativ kühlem Wasser. Es gibt keine offizielle Wassertemperaturangabe des Walensees, vermutlich deswegen, weil es am Walensee keine Badi gibt und daher auch keine regelmässige Wassertemperaturmessung. Der See ist an meiner Lieblingsbadestelle erfahrungsgemäss immer etwa 1-2 Grad wärmer als die nächstgelegene offizielle Messung der Linthtemperatur, daher gehe ich davon aus, dass wir bei 16-17 Grad geschwommen sind.

Die nasse Schwimmbrille habe ich nach dem Schwimmen auf ein Fotopapier geworfen, und zwar auf ein Agfa-Papier aus (vermutlich) den 80er Jahren. Dabei habe ich gelernt, dass weiches Fotopapier vermutlich für Lumenprint nicht besonders geeignet ist, es reagiert sehr schnell und halt – logisch, eigentlich – nicht besonders kontrastreich.