Archiv der Kategorie: Photographie

2025 – Ein Bild für jeden Monat

Januar: Überbleibsel vom Weihnachtsmarkt – Zürich, Niederdorf

Kamera: Rollei35
Film: Streetpan400

Februar: Im Winter springt der Springbrunnen nicht – Glarus, Volksgarten

Kamera: Praktica MTL5 mit Super-Takumar 1:1,8/55
Film: Fomaspeed Action 400

März: Frühlingsvorbereitungen – Weesen, Bootshaus Faltbootclub

Kamera: Lomography Belair X 6-12
Film: Fomaspeed Action 100

April: Junges Maisfeld im Gegenlicht

Kamera: Agfa Isola
Film: Ilford FP4 (2004 abgelaufen)
Himmelserscheinung: Entwicklungsfehler.

Mai: Verlassener Briefkasten

Kamera: Lochkamera nach Bauplan von Peter Olpe
Film: Ilford Delta 400

Juni: Gut vorbereitet am ersten Tag einer Hitzewelle

Kamera: Rolleiflex
Film: Ilford Delta 100
Entwickelt in Granatapfelsaftentwickler

Juli: Ein Dinkelfeld im Milchkanton

Kamera: Agfa Isola
Film: Fomopan200, abgelaufen 1990

August: Max am Eidgenössischen Schwingfest in Mollis

Kamera: Rollei 35s
Film: Ferrania Orto 50

September: Die älteste Schwebefähre Europas

Kamera: Rollei 35s
Film: Ferrania Orto 50

Oktober: Herbstlicht im Klöntal

Kamera: iPhone 17

November: Berliner Natur

Kamera: iPhone 17

Dezember: Laborexperiment Sabattiereffekt
ohne den Effekt
und mit

Kamera: Rollei 35s
Film: Ferrania Orto 50

Eine idyllische Postkarte, Kartoffeln zu verdanken

Dieses Bild von irgendwo aus den Alpen stammt aus dem (sehr) frühen 20. Jahrhundert. In dieser Zeit hat der Fotograf und Farbfotografie-Pionier Hans Hildenbrand Postkartenbilder hergestellt. Auf der Rückseite der Postkarte ist der Fotograf genannt, und auch das Verfahren: Farbenphotographische Aufnahme (Lumière).

Dieses Verfahren, die Autochromfotografie „Lumière“, ist das älteste Farbfotografie-Verfahren. Es ermöglichte es erstmals, farbige Glasdias herzustellen: Eine Glasplatte wird auf der einen Seite mit einem Gemisch aus rot, grün und blau gefärbter Kartoffelstärke beschichtet und auf der anderen Seite mit Fotoemulsion (es ist kompliziert; aber hier recht gut erklärt).

Ich hätte sehr gerne ein Autochrom-Bild aus dem Glarnerland, denn ich arbeite an einem Bildprojekt zum Thema Kartoffeln und Glarnerland. Da wäre ein Bild, das seine Farben letztlich Kartoffeln zu verdanken hat, eine schöne Sache.

Ich dachte auch kurz, ich hätte eins, nämlich diese schöne Postkarte hier:

Aber dann habe ich herausgefunden, dass Louis Glaser in Leipzig zwar Farbpostkarten herstellt hat, diese aber ab Fotografien (idealisiert) abgezeichnet und dann als Farblithografien gedruckt wurde. Schade!

Wie meine Cyanotypie-Postkarten entstehen

Darüber, wie ich unterwegs Lumenprints mache, habe ich hier schon geschrieben. Schon viel, viel länger jedoch mache ich Cyanotypien unterwegs und habe inzwischen einen flexiblen und unkomplizierten Prozess erarbeitet. Da ich ihn noch nie hier beschrieben habe, hole ich dies nun nach:

Gestern waren wir auf einem Faltboot-Ausflug im Klöntal. Wir haben nicht nur das Faltboot eingepackt, ich hatte auch noch meine vorbereiteten Cyanotypie-Karten dabei:

Ich verwende Hahnenmühle-Aquarellpostkarten (die feinen, nicht die groben!, und beschichte sie mit Cyanotypie-Lösung.
Diese Karten werden in einer Blechschachtel verkauft, die kann ich als Transportbox verwenden. Sicherheitshalber mit der beschichten Seite nach unten und zusätzlich stecke ich sie noch in einen schwarzen Beutel.

Es ist Spätsommer, und auf 850 M.ü.M. bereits Frühherbst. Die Wiesen um den See sind lila getupft- die Herbstzeitlosen sind da. Am Klöntalersee wird viel gepicknickt und gegrillt, insgesamt ist dennoch alles sehr sauber und gepflegt, für mein „Abfallprojekt“ ist das erfreulicherweise kein guter Ort. Aber in einer Feuerstelle habe ich ein Gitter von einem Einweg-Grill gefunden. Da ich keinen Belichtungsrahmen dabei hatte, konnte ich dieses Stück Abfall gut nutzen, um die Herbstzeitlosen etwas zu fixieren.

(Ich mag den Einfluss des fehlenden Belichtungsrahmens auf meine Bilder eigentlich. Dennoch denke darüber nach, mir einen einfachen Belichtungsrahmen-Ersatz zu basteln – zwei kleine Plexiglasplatten und ein paar Klammern sollten eigentlich reichen und hätten im schwarzen Beutel Platz.)

Einmal Belichten ohne Festhalten – ich hoffe inständig, es kommt kein Windstoss. Die Blüte ist sehr leicht!
Und einmal Belichten mit Festhalten.
Und dank des Wegwerfgrill-Gitters qualifiziert sich diese Bild dann gleich auch für das Abfallprojekt.

Die Cyanotypie-Chemie reagiert mit UV-Licht. Die belichteten Teile werden blau, die unbelichteten behalten die Originalfarbe des Papiers. Damit dieser Effekt sichtbar wird und haltbar bleibt, muss man die Cyanotypie-Chemie wieder aus dem Papier herauswaschen. Sie ist nicht giftig, daher ist es unproblematisch, dies direkt im See zu tun. Anschliessend kann man die Bilder an der Sonne trocken – fertig!

Das Bild schwimmt etwa 10 Minuten im Wasser.
Unser Kajak ist eine ziemlich gute Unterlage zum Trocknen.

Und hier noch die fertigen Bilder!

Experimental Photo Festival 2025

Im Mai 2022 war ich das erste Mal in Barcelona, zwei Wochen die Stadt entdecken. Auf einem der vielen Stadtspaziergänge habe ich an einem Strassenpfahl einen Aufkleber gesehen: Experimental Photo Festival. Im Juli. Schade, dachte ich, dass wir dann nicht mehr in Barcelona sind: Das hätte ich gern gesehen.

Wieder zu Hause, ging ich auf die Website des Festivals. Und eine neue Welt tat sich mir auf: Ich hatte damals zwar schon seit Jahren viele Lochkameras gebaut, ein Cyanotypie-Strandabfall-Projekt angefangen, Photogramme, Solargrafien (die haben es sogar in die Lokalzeitung geschafft) und ein paar Anthotypien gemacht – aber da gab es noch so viel mehr! Und Theorie dazu, und Geschichte! Und ganz viele Menschen, die auch solche Sachen machen und vor allem: Die ihr Wissen teilen! Ich habe youtube-Videos geschaut, gelesen, dann ausprobiert. Und mich für online-Kurse eingeschrieben. Und ich bin immer tiefer eingetaucht ins Experimentieren.

Diesen Sommer nun war ich wieder in Barcelona. Endlich live am Festival dabeisein! Fünf Tage lang Workshops besuchen, Vorträge hören, Vernissagen besuchen, Bilder anschauen und fachsimpeln, Menschen kennenlernen, die auch solche Sachen machen, sich inspirieren lassen. Es war grossartig.

Vier Workshops habe ich besucht, nicht alle mit der Intention, direkt etwas für meine Praxis zu lernen. Ich wollte schon Neues lernen, das ich anwenden möchte – Wassergramme zum Beispiel – aber auch Techniken ausprobieren, die ich selber sicher nicht machen möchte, Künstler:innen zuhören, die technisch Ähnliches machen wie ich aber mit einer anderen Bildsprache arbeiten.

Ein paar Eindrücke:

Sehr grossen Spass haben die zwei Kurzworkshops am letzten Tag gemacht:

Mit Justin Quinell ein Fotobuch herstellen aus altem Toastbrot: Antothypie auf Toastbrot, gebunden mit Spaghetti.

Cyanotypie-Gruppenbild im Massstab 1:1