Archiv der Kategorie: Lumenprint-Tagebuch

Lumenprint-Tagebuch: Im Garten

Morgen um 10.01 ist Tag-und-Nacht-Gleiche, der wichtigste aller Frühlingsanfänge. Es wäre langsam an der Zeit, den Garten aufzuräumen und für die neue Saison bereit zu machen. Bloss habe ich so gar keinen grünen Daumen und auch sehr wenig Freude an der Gartenarbeit. Ich lasse unseren kleinen Garten lieber machen, was er will und schaue ihm dabei zu. Wir haben ihn auch so eingerichtet, dass dieses Vorgehen gut ist: Wir haben Sträucher und Bäume, die man einmal im Jahr zurückschneiden muss, Blumen, die sich von selber ausbreiten, eine Wiese, die nur einmal im Jahr einen Schnitt braucht.

Ein klein bisschen was muss man aber trotzdem noch tun, sei’s drum. Heute habe ich im grossen Topf, in dem seit Jahren der Schnittlauch tapfer immer wieder spriesst, die verdorrten Stängel von letztem Jahr rausgerupft. Das muss für heute reichen.

Verdorrter Schnittlauchstängel. Lumenprint auf altem Orwo-Fotopapier

Lumenprint-Tagebuch: Zu Fuss

Ich gehe gern zu Fuss. Fremde Städte erkunden ist zu Fuss am schönsten, beim durch die Natur streifen ist es das beste Tempo, aber ich komme auch ganz gern ganz schlicht zu Fuss von A nach B.

Dabei habe ich aber null sportlichen Ehrgeiz. Schritte zählen ist mir nicht wichtig , Wandern und Gipfel sammeln ist nicht meins. Ich bin mehr so Team Flanieren und Bummeln und dabei Gucken, Denken oder, am Allerliebsten: Reden.

Gestern waren wir im übernächsten Dorf einkaufen und sind dann zu Fuss nach Hause, das sind ungefähr 8 Kilometer. Wir haben viel gesehen: Frühlingsblumen (Huflattich, Veilchen, Leberblümchen), Baustellen (ESAF!), Tiere (Gämsen, Raben, Bienen), das Farbenspiel des sehr klaren Wassers im Fluss (viele Grüns), Bekannte.

Wir sind zwar grösstenteils auf Naturstrassen unterwegs gewesen und dennoch tun mir heute leider meine Knie ziemlich weh – ich habe Arthrose. Meistens geht es gut beim Gehen, sofern es nicht zu kalt ist und nicht zu stark bergab geht, diesmal leider nicht. So ein Mist!

So bleibe ich heute zu Hause und nutze den zwangsweise ruhigen Tag, um an einer Bildidee herumzuexperimentieren: Ich möchte versuchen, mit Lumen meinen Tag „mitzuschneiden“. Heute war es ein ruhiger Tag in Finken und im Haus.

Zwei Stunden in meinen Birkenstocks, an einem ruhigen Tag zu Hause

links vor, rechts nach dem Fixieren

Papier: Agfa Brovira Speed
BN 310PE 3
(sicher vor 1993 hergestellt: Auf der Packung ist die PLZ von Leverkusen vierstellig)

Lumenprint-Tagebuch: Unsere kleine Hürbi *)

Lumenprint: Blätter von letztem Herbst auf mit Rostwasser befeuchtetem alten Fotopapier

In unserem Quartier steht seit geraumer Zeit ein Haus leer. Der vorherige Eigentümer ist im Herbst 2022 gestorben. Vor bald zwei Jahren wurde es verkauft, bald danach ausgeräumt, aber sie wurden damit nicht ganz fertig, denn seither stehen vor der Garage die Küchengeräte (und ein Stuhl) vergessen herum und rosten vor sich hin.

Einen guten Eindruck macht das nicht und ich wundere mich auch fast ein bisschen, dass mich noch nie jemand aus dem Quartier auf das vor sich hinrottende Küchengeräteensemble angesprochen hat. Wir sind hier auf dem Land, da wäre das zu erwarten.

Ich meinerseits finde es primär faszinierend zu beobachten, wie die Zeit arbeitet. Und vielleicht ist es ja auch gar keine Hürbi, sondern Kunst; eine Langzeitperformance zum Thema Industriekultur und Vergänglichkeit.

Die letzten Tage war das Wetter feucht und um die Kochherdplatten hat sich eine Rostflockensuppe gebildet, in der noch Blätter vom letzten Herbst herumschwimmen – da hat es mich in den Fingern gejuckt.

Notizen zum Making-Of

Ein alter (Therma-)Kochherd, stehengelassen und vergessen.

Zwei Blatt Fotopapier, Forte Bromofort RC, beide in schmutziges Rostflockenwasser getunkt. Auf eines habe ich die Blätter gelegt, die seit letztem Herbst auf dem Herd liegen.

Anschliessend drei Stunden bei wechselhaftem Wetter auf die Fensterbank.

Nach dem Fixieren

Altes Fotopapier, in Rostwasser getunkt und zwei Stunden auf dem Fenstersims belichtet.
Offenbar macht der Rost nicht viel Besonderes mit dem Papier.

*) Hürbi ist Glarner Dialekt für «Kehrichthaufe, Sammelloch für Abfälle».
Quelle: Schweizerisches Idiotikon.

Lumenprint-Tagebuch: Tote Tulpen

Zwei verblühte Tulpen auf angefeuchtetem, uralten Forte Bromofort-Papier

Ich habe eigentlich nie gepflückte oder gekaufte Blumensträusse im Haus. Diejenigen Blumen, die bei uns in Vasen gestellt herumstehen, sind in der Regel in verblühtem und vertrocknetem Zustand geerntet. Das Konzept, Blumen zu töten, um sie dann als Zeichen der Lebensfreude ins Haus zu stellen, habe ich nie wirklich verstanden.

Dennoch freue ich mich, wenn ich Blumen geschenkt bekomme.

Eigentlich mag ich Tulpen gar nicht. Sie sehen aus wie aus Plastik, riechen unangenehm und wurden von einer Generation geschätzt, von der ich mich unbedingt distanzieren wollte. Ganz abgesehen davon, dass die Tulpenindustrie ökologisch und sozial fragwürdig ist. Im Garten haben wir ein paar Tulpen, die ich mag – lebendige, kleine, die mit den vollen Blüten und den etwas unregelmässigen Blättern, die leicht verwuschelt aussehen.

Dennoch freue ich mich, wenn ich Tulpen geschenkt bekomme.

Der letzte geschenkte Tulpenstrauss war wunderschön: Sehr bunt und nicht diese grossen Plastiktulpen, sondern die kleinen mit den vollen Blüten und den etwas unregelmässigen Blättern, die leicht verwuschelt aussehen.

Der Strauss hat etwa etwa eine Woche gehalten.

Notizen zum Making-Of

Zuerst habe ich einen Denkfehler gemacht und die Blüten mit der interessanten Seite nach oben aufs Fotopapier gelegt. Natürlich ist das Bild dann eins „von hinten“. Man muss sich also entscheiden: Entweder sieht das making-of-Bild sehr instagrammable aus, oder das Resultat. Beides geht nicht.

Erste Reihe, von links: making-of, vor dem Fixieren, nach dem Fixieren.
Papier: Ilford, vermutlich zwischen 20 und 40 Jahren alt.

Zweite Reihe, von links: making-of, vor dem Fixieren, nach dem Fixieren.
Papier: Forte Bromofort RC, vermutlich aus den 80er-Jahren.