Archiv des Autors: KatiaBlog

Granatapfel-Entwickler

Kürzlich habe ich einen Granatapfel gekauft, der sich beim Rüsten als halb verdorben herausgestellt hat. Ich habe ihn nicht direkt kompostiert, sondern die noch einigermassen passablen Teile kleingeschnitten, mit heissem Wasser übergossen, die Schale eines anderen Granatapfels hinzugefügt und das ganze ein paar Tage stehengelassen. Der so entstandene „Tee“ war die Grundlage für einen selbstgemachten Filmentwickler:

  • 500 ml Granatapfel-„Tee“
  • 40 g Soda
  • 10 g Vitamin C
  • 0.5 g Kaliumbromid

Damit habe ich einen 2020 abgelaufenen und heute mit der Rolleiflex „verfotografierten“ Ilford-Delta-400-Film 12 Minuten lang bei 39 Grad entwickelt.

Et voilà – es war ein heisser Sommertag, heute:

Zwei Tage später habe ich den selbstgebrauten Entwickler verwendet, um einen Abzug zu machen. Dabei habe ich gelernt:

  • Mit RC-Papier hat es nicht funktioniert, auf Baryt jedoch schon.
  • Obwohl die Negative einen deutlichen Orange-/Rotstich haben, funktioniert der Abzug auf Multigradepapier.
  • Für das Entwickeln im Granatapfelentwickler habe ich das Papier dreimal so lange belichtet wie für das Entwickeln im Standardentwickler.
  • Die Entwicklungszeit ist sehr lange: 6-8 Minuten. Auch habe ich recht lange gewässert, und schon zwischen Entwickeln und Stopp ein Wasserbad dazwischengeschaltet, um den Granatapfel-Soda-Brei nicht im Fixierer zu haben. Das lange Bad weicht das Papier sehr auf, es ist dann sehr empfindlich. Mit Wäscheklammern zum Trocknen aufhängen geht nicht mehr.
Abzug auf abgelaufenem Ilford RC Multigrade-Papier

Abzug auf abgelaufenem Orwo Baryt-Papier

Lumenprint-Tagebuch: Endlich wieder im See!

Es ist jedes Jahr wieder ein ganz besonderer Moment: Das erste Mal ohne Neopren im Walensee schwimmen. Meist ist das Ende Mai/ Anfang Juni, und dieses Jahr war es gestern soweit – bei relativ kühlem Wasser. Es gibt keine offizielle Wassertemperaturangabe des Walensees, vermutlich deswegen, weil es am Walensee keine Badi gibt und daher auch keine regelmässige Wassertemperaturmessung. Der See ist an meiner Lieblingsbadestelle erfahrungsgemäss immer etwa 1-2 Grad wärmer als die nächstgelegene offizielle Messung der Linthtemperatur, daher gehe ich davon aus, dass wir bei 16-17 Grad geschwommen sind.

Die nasse Schwimmbrille habe ich nach dem Schwimmen auf ein Fotopapier geworfen, und zwar auf ein Agfa-Papier aus (vermutlich) den 80er Jahren. Dabei habe ich gelernt, dass weiches Fotopapier vermutlich für Lumenprint nicht besonders geeignet ist, es reagiert sehr schnell und halt – logisch, eigentlich – nicht besonders kontrastreich.

Lumenprint-Tagebuch: Biester

Unser wilder Sträuchergarten ist ein Blattlaus-Paradies. Jahr für Jahr fallen sie über die Schlehe und den Holunderbusch her, auch der Mirabellenbaum leidet unter Befall. Wir versuchen sie ohne Chemie zu bekämpfen und sprühen Neem. Dieses Jahr helfen uns ganz viele Marienkäferlarven die Meute etwas zu dezimieren. Hoffentlich sind sie hungrig genug, damit die Bäume nicht zu sehr leiden und wir doch im Spätsommer ein paar Mirabellen essen können.

Zwei Blattläuse auf Orwo-Fotopapier

Lumenprint-Tagebuch: Die tiefenentspannte Strasse

POV: Du blickst aus einem überwucherten Fahrradkorb auf die Strasse.
Im Körbchen steckt ein Blatt Fotopapier.

An der Strasse, die zum Hintereingang meines Arbeitsplatzes führt, steht seit vorletztem Sommer eine Gruppe Velos. Stoisch lassen sie die Luft aus den Reifen fahren, der Ledersattel lässt sich vom Regen gerben, der Lenkerkorb und die Speichen laden Pflanzen zum Ranken ein.

Ich bin gespannt, wie lange noch die Velos von nichts anderem als der Zeit und den Rankpflanzen berührt werden.

Bis ich eine Schachtel Fotopapier eingepackt hatte, dauerte es hingegen nur bis heute.

Vor ein paar Jahren lag auf einer Mauer an derselben Strasse eine Tonbandkassette. Es dauerte Monate, bis sie sich von ganz zu ganz kaputt verändert hatte.

Es war HIStory. Past -Present – Future von Michael Jackson.

Es dauerte noch weitere 2 Monate, bis sie ganz kaputt war.

Ich denke, diese Strasse ist einfach ziemlich entspannt und schaut lieber erst mal zu.