
In unserem Quartier steht seit geraumer Zeit ein Haus leer. Der vorherige Eigentümer ist im Herbst 2022 gestorben. Vor bald zwei Jahren wurde es verkauft, bald danach ausgeräumt, aber sie wurden damit nicht ganz fertig, denn seither stehen vor der Garage die Küchengeräte (und ein Stuhl) vergessen herum und rosten vor sich hin.
Einen guten Eindruck macht das nicht und ich wundere mich auch fast ein bisschen, dass mich noch nie jemand aus dem Quartier auf das vor sich hinrottende Küchengeräteensemble angesprochen hat. Wir sind hier auf dem Land, da wäre das zu erwarten.
Ich meinerseits finde es primär faszinierend zu beobachten, wie die Zeit arbeitet. Und vielleicht ist es ja auch gar keine Hürbi, sondern Kunst; eine Langzeitperformance zum Thema Industriekultur und Vergänglichkeit.
Die letzten Tage war das Wetter feucht und um die Kochherdplatten hat sich eine Rostflockensuppe gebildet, in der noch Blätter vom letzten Herbst herumschwimmen – da hat es mich in den Fingern gejuckt.
Notizen zum Making-Of

Ein alter (Therma-)Kochherd, stehengelassen und vergessen.
Zwei Blatt Fotopapier, Forte Bromofort RC, beide in schmutziges Rostflockenwasser getunkt. Auf eines habe ich die Blätter gelegt, die seit letztem Herbst auf dem Herd liegen.
Anschliessend drei Stunden bei wechselhaftem Wetter auf die Fensterbank.

Nach dem Fixieren

Altes Fotopapier, in Rostwasser getunkt und zwei Stunden auf dem Fenstersims belichtet.
Offenbar macht der Rost nicht viel Besonderes mit dem Papier.
*) Hürbi ist Glarner Dialekt für «Kehrichthaufe, Sammelloch für Abfälle».
Quelle: Schweizerisches Idiotikon.