Archiv der Kategorie: Lumenprint

Lumenprint-Tagebuch: Tote Tulpen

Zwei verblühte Tulpen auf angefeuchtetem, uralten Forte Bromofort-Papier

Ich habe eigentlich nie gepflückte oder gekaufte Blumensträusse im Haus. Diejenigen Blumen, die bei uns in Vasen gestellt herumstehen, sind in der Regel in verblühtem und vertrocknetem Zustand geerntet. Das Konzept, Blumen zu töten, um sie dann als Zeichen der Lebensfreude ins Haus zu stellen, habe ich nie wirklich verstanden.

Dennoch freue ich mich, wenn ich Blumen geschenkt bekomme.

Eigentlich mag ich Tulpen gar nicht. Sie sehen aus wie aus Plastik, riechen unangenehm und wurden von einer Generation geschätzt, von der ich mich unbedingt distanzieren wollte. Ganz abgesehen davon, dass die Tulpenindustrie ökologisch und sozial fragwürdig ist. Im Garten haben wir ein paar Tulpen, die ich mag – lebendige, kleine, die mit den vollen Blüten und den etwas unregelmässigen Blättern, die leicht verwuschelt aussehen.

Dennoch freue ich mich, wenn ich Tulpen geschenkt bekomme.

Der letzte geschenkte Tulpenstrauss war wunderschön: Sehr bunt und nicht diese grossen Plastiktulpen, sondern die kleinen mit den vollen Blüten und den etwas unregelmässigen Blättern, die leicht verwuschelt aussehen.

Der Strauss hat etwa etwa eine Woche gehalten.

Notizen zum Making-Of

Zuerst habe ich einen Denkfehler gemacht und die Blüten mit der interessanten Seite nach oben aufs Fotopapier gelegt. Natürlich ist das Bild dann eins „von hinten“. Man muss sich also entscheiden: Entweder sieht das making-of-Bild sehr instagrammable aus, oder das Resultat. Beides geht nicht.

Erste Reihe, von links: making-of, vor dem Fixieren, nach dem Fixieren.
Papier: Ilford, vermutlich zwischen 20 und 40 Jahren alt.

Zweite Reihe, von links: making-of, vor dem Fixieren, nach dem Fixieren.
Papier: Forte Bromofort RC, vermutlich aus den 80er-Jahren.

Lumenprint-Tagebuch: Haare färben

Ich war etwa 15 Jahre alt, als ich angefangen habe, meine Haare zu färben, das war so Anfang/Mitte der 80er-Jahre. Ich habe die elterliche Badewanne mit Henna orange eingefärbt, auf dem Kopfkissenanzug Spuren von bunter Lebensmittelfarbe hinterlassen, mir blaue Strähnen färben lassen, auch blauschwarz habe ich ausprobiert. Als meine Haare dann mit etwa vierzig langsam aber sicher deutlich grau wurden, habe ich mit Färben aufgehört. Ich wollte nicht zu denen gehören, die nicht zu ihrem Alter stehen.

Vor etwa zwei Jahren aber habe ich wieder angefangen zu färben – denn inzwischen gibt es graue Haarfarbe! Das fand und finde ich irgendwie witzig und leicht absurd: Graue Haare grau färben.

Heute war es wieder mal soweit, und ich habe ein Bild davon gemacht: Hier ist ein Kontaktdruck/Chemigramm/Lumenprint: Auf meinen mit Farbe eingeschmierten Schopf habe ich ein Fotopapier gedrückt, das ich dann zwei Stunden ans Licht gelegt habe. Die Sonne, die Haarfarbe und das Wasser in der Haarfarbe haben anschliessend mit dem Fotopapier reagiert. Das Licht mit dem Silber, die Haarfarbe wohl eher mit der Gelatineschicht.

Abdruck von meinen Haaren auf ziemlich altem Forte Bromofort BN RC Papier

Fotopapiere datieren und testen (für Lumenprint) dating and testing papers for lumen prints

Ich habe einen grossen Stapel altes Fotopapier, das ich dieses Jahr für Lumenprints verwenden möchte. Heute testete ich diese beiden:

I have a big pile of old photo paper that I intend to use for Lumenprints this year.
Today I tested these two:

Wie alt sind diese Papiere? How old are they?

Mich interessiert jeweils auch, wie alt meine Papiere ungefähr/möglichst genau sind, das ist jedoch gar nicht so einfach, weil auf den Packungen das Herstellungsjahr nie angegeben ist.

Für eines meiner Papiere habe ich es jetzt, glaube ich, so ungefähr geschafft – für das grössere, untere. Auf der Verpackung steht als Hersteller Lumière SA Lyon, Groupe CIBA-GEIGY. Ilford gehörte CIBA-GEIGY von 1969 bis 1989. Das Logo mit der Sonne wurde bis um 1970 herum verwendet. Also muss mein Papier eigentlich so ca. um 1969/70 produziert worden sein.

Für das zweite Papier ist die Eingrenzung einiges schwieriger. Ich habe nur dies: Das Ilford-Logo weist auf nach 1970, und es hat einen Preisaufkleber von Interdiscount drauf, mit einem Logo, das es seit 1973 gibt. Mehr Hinweise habe ich noch nicht gefunden.

I’m always interested in how old my papers are approximately/precisely, but that’s not so easy because the year of manufacture is never stated on the packaging.

For one of my papers, I think I’ve now got it about right – for the larger, lower one. The manufacturer on the packaging is Lumière SA Lyon, Groupe CIBA-GEIGY. Ilford belonged to CIBA-GEIGY from 1969 to 1989 and the logo with the sun was used until around 1970. So my paper must have been produced around 1969/70.


For the second paper, narrowing it down is a bit more difficult. I only have this: The Ilford logo points to after 1970, and it has an Interdiscount price sticker on it, with a logo that has been around since 1973. I haven’t found any more clues yet.

Welche Farbe entwickeln die Papiere? What colour will the papers develop?

Ich möchte wissen, wie die Papiere auf Belichtung reagieren. Es geht mir noch nicht darum, eine korrekte Belichtungszeit abzuschätzen, sondern lediglich, welche Farben das Papier zeigt, wenn es mit trockenen und feuchten und verschiedenen phenolhaltigen „Auflagen“ an die Sonne gelegt wird. Daher habe ich mit für „Raclette“ entschieden: Cornichons (in Essig eingelegt), Kartoffelschalen (Rüstabfall), Käse (fermentiert), Schäler (Aluminium).
Ab damit, für drei Stunden auf die Dachfensterbank:

I wonder how the papers react to sun exposure. I am not yet interested in estimating a correct exposure time, but only in what colours the papers show when it is exposed to the sunrays with dry and moist pieces on it, containing various or no phenols. So I decided on ‘raclette’: Cornichons (pickled), potato peelings (vegetable waste), cheese (fermented), peeler (aluminium).
Off they go, onto the roof window sill for three hours:

Und hier die fertigen Bilder; einmal unfixiert (links) einmal fixiert:

The finished prints, before (left) and after fixing:

Fazit

Die Phenole erhöhen die Farbvarianz, das hatte ich so erwartet. Die feuchten Teile verwischen an den Rändern, auch das hatte ich erwartet: Vor allem die Essiggurken waren so feucht, dass sie noch Flüssigkeit abgegeben hatten.

Die Kombination der scharfen Zeichnung des Aluminumschälers mit den weicheren Abdrücken der verschiedenen pflanzlichen Materialien ist interessant – da werde ich bestimmt weiter daran herumdenken und -probieren.

Insgesamt ist das Bild jedoch eher flau: Die Edelweiss auf ca. 90 Jahre altem Kodak Velox letztes Jahr waren jedenfalls sehr viel spektakulärer. Ich werde also noch weitere Papiere testen, bevor ich mich entscheide, ob ich diese hier für mein diesjähriges Lumenprint-Projekt verwenden möchte.

The phenols increase the colour variance significantly, as expected. The moist parts blur at the edges, which was alsp expected: the pickles in particular were so moist that they were still releasing liquid.

The combination of the sharp imprints of the aluminium peeler with the softer imprints of the various vegetable materials is interesting – I will certainly continue to think about this and do some more experiments.

Overall, however, the image is rather dull: the Edelweiss print on 90-year-old Kodak Velox last year were much more spectacular. So I’m going to test some more papers before I decide whether I want to use these for my Lumenprint project this year.