Bärlauch in der Dunkelkammer

Analoges Fotografieren ist ein nicht besonders naturnaher Prozess. Die Dunkelkammer ist ein kleines Chemielabor, es ist viel Plastik im Spiel und man arbeitet mit Substanzen, die als Sondermüll entsorgt werden müssen.

Man kann also versuchen, Chemikalien zu verwenden, die weniger umweltbelastend sind als herkömmliche Fotochemikalien. Oder man kann mit alternativen Fototechniken experimentieren wie Cyanotypie oder noch chemikalienärmer: Anthotypie. Man kann aber sogar noch experimenteller werden und pflanzenbasierte Entwicklerflüssigkeiten selber herstellen – ein Feld, auf dem das London Alternative Photography Collective mit dem Sustainable Darkroom Projekt forscht und experimentiert. Dem Sustainable Darkroom Projekt habe ich auch das Rezept für mein erstes Experiment zu verdanken.

Um analoge Filme zu entwickeln, muss man die Silberverbindungen auf den Negativen zum Reagieren bringen – so dass die belichteten Stellen anders reagieren als die unbelichteten. Das gelingt z.B. mit Kaffeesäure und Vitamin C. Kaffeesäure ist bei weitem nicht nur in Kaffee enthalten, sondern auch in Bärlauch. Fermentierter Bärlauch – angereichert mit Vitamin C – eignet sich offenbar auch als Entwickler.

Fermentierter Bärlauch riecht ziemlich stark, aber zum Glück doch etwas weniger stark als ich mir das vorgestellt hatte. Dennoch bin ich froh, einen Occasion-Negativtank besorgt zu haben, um die normalen nicht zu stark zu beduften. Nach dem Entwickeln müssen die Negative dann noch fixiert werden. Auch dafür braucht es nicht unbedingt hochkomplexe und giftige Chemikalien – eine gesättigte Kochsalzslösung tut es auch (allerdings braucht es Geduld – 24 Stunden statt ein paar Minuten).

Die Papierabzüge habe ich anschliessend ganz konventionell mit der Laborchemie von ars imago (immerhin basierend auf ökologisch optimierten Rezepturen) entwickelt. Der Bärlauchsaft war mir dann doch etwas zu intensiv im Geruch für die kleine Dunkelkammer – beim Papierentwickeln hätte er in der flachen Schale recht lang Zeit bekommen, sich zu entfalten.

Ressourcen für nachhaltige und alternative Fotografie:

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